Natur im Jahreslauf: Spätwinter

  1. Das Schneeglöckchen
  2. Winterblüher
  3. Wintergäste
  4. Interessante Links

Verfasser: Markus Schmid

1. Das Schneeglöckchen

Schon sein Name sagt es: Sobald der Schnee langsam den stärker werdenden Sonnenstrahlen nur etwas weicht, nicken in Gärten und lichten Wäldern kleine weiße "Glöckchen". Sie gehören bei uns zu den ersten Frühlingsboten im Pflanzenreich.

Gemäß der Legende hat Gott den Schnee zuletzt geschaffen, ihm aber keine Farbe verliehen. Jede bunte Blume, die der Schnee nach etwas Farbe fragte, wollte nichts vom ihm wissen. Bis er zum Schneeglöckchen kam, das sich sogar mit ihm anfreundete und ihm seine weiße Farbe verlieh.

Nun ist in der Natur eine gute Schneedecke tatsächlich der beste Schutz vor dem Frost für die Pflanzen im Boden. Denn Schnee isoliert sehr gut: Wenn die Temperaturen oberhalb der Schneedecke tief unter 0 °C sinken, wird es an der Bodenoberfläche trotzdem kaum unter 0 °C und der Frost dringt nur wenig in die Tiefe.

Im Boden können sich also die Pflanzen schon auf den Frühling vorbereiten, allen voran das Schneeglöckchen. In der Zwiebel schlummern bereits Blüten und Blätter im Kleinformat, um sich bei der ersten Wärme gleich zu entfalten. So werden auch die unter der Erde überwinternden Pflanzen Geophyten genannt (von Geos Griechisch = Erde und Phyt = Pflanze). Das Schneeglöckchen hilft aber sogar mit, dass der Schnee schmilzt! Es erzeugt - für Pflanzen untypisch - eigene Wärme, und zwar 8 bis 10 °C.

Neben dem Schneeglöckchen spriesst auch sehr früh der Winterling.
Diese Wärme lässt sich sogar beobachten, wenn die feinen Blätter und Stängel gerade noch im Schnee stehen: Dieser ist immer wenige Millimeter um die Pflanzen herum weggeschmolzen, was bedeutet, dass sich die unscheinbare Pflanze durch den Schnee quasi einen Tunnel ans Licht schmilzt. Später im Jahr, wenn die meisten anderen Pflanzen sprießen und blühen, zieht sich das Schneeglöckchen bereits wieder in den Boden zurück, sobald es genug Energie von der Sonne für den nächsten Frühling in seiner Zwiebel gespeichert hat.

Dem Frühblüher kommen sogar heilende Eigenschaften zu: Es wird gegen Vergesslichkeit im Alter eingesetzt. Die Zwiebeln sollten allerdings nicht in zu großer Zahl eingenommen werden, sonst wirken sie leicht giftig.

Heute wachsen diese auf den ersten Blick unscheinbaren Pflanzen in fast allen Gärten. Achte also schon bei den ersten warmen Tagen oder wenn der Schnee schmilzt genau darauf, ob nicht schon kleine weiße Glöckchen der Frühling still einläuten.

In der Wissenschaft wird die genaue Beobachtung von Knospung, Blattentfaltung und Blüte Phänologie genannt. Das ist sowohl wichtig für die Landwirtschaft, wann z.B. die Felder bestellt und gesät werden sollen als auch für die Klimatologie. Durch Beobachtung der Blütezeit lässt sich z.B. nachweisen, wie sich die Klimaerwärmung im Pflanzenreich auswirkt. Einige interessante Phänologie-Links sind unten auf dieser Seite angegeben.

2. Die Christrose

Während das Schneeglöckchen schon die Hoffnung auf wärmere Tage beinhaltet, gibt es eine Blume, die bereits zur Wintersonnenwende voll erblühen kann: die Christrose. Sie erhielt ihren Namen, weil sie zu Weihnachten = Christgeburt blüht und ähnlich wie eine Rose aussieht. Ansonsten ist die krautige Pflanze eher unscheinbar.

Ein alter Weihnachtsbrauch besteht darin, 12 Blütenknospen der Christrose aufzustellen. Jeder Knospe wird ein Monat zugeordnet. Je nachdem wie die einzelnen Blüten aufgehen, soll das Wetter im kommenden Jahr werden: gehen sie kaum auf, wird der Monat regnerisch und trüb, wenn sie aufgehen, sonnig.

Von Natur aus kommen Christrosen im Raum der Ostalpen vor. Weil sie aber in Gärten als Zierpflanzen immer beliebter werden, kann das "Wunder" einer mitten im Winter blühenden Pflanze an immer öfter beobachtet werden!

Bezüglich ihrer Heilkraft nimmt die Christrose seit alters her eine besondere Stellung ein. Sie ist zwar sehr giftig, aber von Paracelsus wissen wir ja schon, dass die Dosis das Gift ausmacht. Richtig verdünnt - in der Homöopathie potenziert - wirkt sie wohl gegen Gicht, Ödeme, Verwirrtheitszustände, Gemütsleiden, Epilepsie, Erkrankungen des Herzens, Magen-Darm-Erkrankungen, Nierenentzündung und hat allgemein eine reinigende Wirkung. Während Paracelsus die Christrose als ein Kraut für ein langes Leben darstellte, gibt es neue Erkenntnisse, dass sie auch (wie die Mistel) in der Krebstherapie wirksam ist.

2. Was blüht auch noch im Winter?

Blüht das ganze Jahr: Gänseblümchen
Die wohl am weitestan verbreiteten Frühblüher sind die Haselsträucher. Kaum steigt die Temperatur gegen 10 °C oder es gibt ein paar sonnige Tage, schon stäuben die gelben Kätzchen im Wind. Es kann sogar fast mitten im Winter sein, dass die Haselblüte eintritt, auch wenn es später noch viel Frost und Schnee gibt. Die Kätzchen mögen zwar zahlreich sein und gelbgrün in der Sonne leuchten. Die Beliebtheit von Schneeglöckchen und Christrosen hat die Blüte des Hasels nicht. Umso mehr im Herbst, wenn die saftigen Haselnüsse geknackt werden können.

Nicht vergessen dürfen wir einen der ausdauerndsten Blüher. Es gibt eigentlich keinen Rasen ohne es: Das Gänseblümchen. Es kann das ganze Jahr blühen und trotzt Schnee und Frost.

3. Gäste im Garten: Vögel im Winter

Auch im Spätwinter treffen wir viele Vögel in unseren Gärten an. Gerade weil wir unsere gefiederten Gesellen auch füttern, kommen diese sehr nahe und können wunderbar beobachtet und fotografiert werden. Die Winterfütterung ist bei Schnee- und Frostperioden sinnvoll, während derer die Vögel wenig natürliche Nahrung finden. Weil sie sich an die Fütterung gewöhnen, müssen wir dann aber eine fortlaufende Versorgung sicherstellen, damit die Vögel nicht plötzlich an Futterknappheit leiden müssen.

Hier sollen zwei beliebte Gartenvögel näher vorgestellt werden, die meist ganz gut alleine durch den Winter kommen und uns als erste mit ihrem Gesang erfreuen: Das Rotkehlchen und die Amsel. Beide Arten gelten als Teilzieher, das heißt, ein Teil der Tiere zieht in den Süden, ein anderer bleibt auch im Winter hier.

Das Rotkehlchen ist wohl eines der beliebtesten Vögel im Garten und jedes Kind kennt es. Was nur wenige wissen, dass es schon sehr früh im Jahr singt, und das sogar in der Nacht, noch vor der Morgendämmerung. Wenn wir also im Winter im Dunkeln ein leises, lang gezogenes und hohes Zwitschern im Gebüsch hören, handelt es sich mit großer Sicherheit um ein Rotkehlchen. So könnte man es fast schon "Nachtigall des Winters" nennen, denn es ist tatsächlich mit dem Gesangskünstler der Vögel verwandt! Am Tag können wir das Rotkehlchen dann mit etwas Glück beobachten, es fällt aufgrund seiner strahlend roten Brust gut auf, ist aber ansonsten klein wie ein Sperling und grau gefiedert.

Wacher Geselle im Gras. Amselgesang anhören.
Foto: Hans-W. Grömping, www.naturschule.com
Die Amsel beginnt auch jetzt schon in Wärmeperioden frühmorgens oder in der Abenddämmerung zu singen. Oft fängt sie mit einem zeternden Warnruf an, den sich verschiedene Vögel zurufen, besonders wen eine Gefahr naht oder wenn man sich besonders abgrenzen möchte. Melodiös und abwechslungsreich ist hingegen ihr Gesang, ein klares Zeichen, dass wärmere Tage nahen. Kaum ein einheimischer Vogel singt so abwechslungsreich und melodiös. Das schwarze Männchen singt meist von erhöhter Warte aus, wobei auch Wechselgesänge von Nachbarn entstehen können, die sich einander zu überbieten versuchen. Nicht nur die Laute von Artgenossen werden imitiert, sondern auch Gesangselemente von anderen Vogelarten! So kann ein geübtes Ohr sogar individuelle Amseln am Gesang erkennen.

Amseln gehören zu den am einfachsten zu beobachtenden Vögeln, da sie häufig von Gebüsch zu Gebüsch fliegen und im Gras nach Regenwürmern oder Insekten suchen. Im Herbst und Winter ernähren sie sich gerne auch von Beeren und Früchten. Zur Winterfütterung eignet sich daher Obst am besten, weil Amseln mit Körnern wenig anfangen können. Am besten werden einige einheimische Sträucher gepflanzt, die im Winter auch Beeren tragen.

Noch vor 150 Jahren galt die Amsel als sehr scheuer Waldvogel, den man speziell beobachten gehen musste. Wie anpassungsfähig die Tiere sind, zeigt, dass sie heute sogar mitten in Großstädten leben, im Winter kaum mehr in den Süden ziehen und inzwischen sogar an Häusern nisten.

Nutze also die Gelegenheit und achte auf den wunderschönen Gesang, beobachte die Tiere bei der Futtersuche, bei der Brut und bei Revierkämpfen. Manche Tiere fassen sogar Zutrauen zum Menschen!

4. Interessante Links:

Zum Beobachten und Mitmachen regen auch folgende Websiten an:

-> Naturphänomene im Jahreslauf:
www.naturbegleiter.at

-> 12 Beobachtungen im Jahr mit Wettbewerb: www.naturdetektive.de

Die Wetterämter von Deutschland, der Schweiz und Österreich haben meist gut aufgebaute und laufend aktuelle Informationen zur Pflanzenentwicklung:

-> Phänologie im Deutschen Wetterdienst: www.dwd.de/...

-> Meteo Schweiz - Phänologie und Klima: www.meteoschweiz.ch/...

-> Wetter-Server-Österreich - Phänologie: http://zacost.zamg.ac.at/...

Startseite