Sternenhimmel im Juni 2011


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat und den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Der Sternenhimmel kommt im Juni wieder zur Ruhe und wird nun bis September im Wesentlichen unverändert bleiben. Man kann alle Frühlings- und alle Sommersterne bewundern: Im Südwesten das schöne Sternbild des Löwen, hoch im Osten den hellen Arktur, den Ringplaneten
Saturn und die Spica und im Osten das Sommerdreieck mit der hellen Wega. Im Südosten kann man auch schon die nördlichen Teile des Skorpions mit Antares bewundern.

Der Große Wagen steht auf dem Kopf hoch über dem Polarstern und erscheint uns in dieser Lage sehr ungewohnt.

Im Osten steht der Ringplanet Saturn rechts über der Spica, zwischen dem Löwen und Arktur.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen


Kleiner und Großer Wagen
Der bekannte Große Wagen steht hoch über uns am Himmel, so auf dem Kopf stehend wirkt er sehr ungewohnt. Indem man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach links unten verlängert, gelangt man zum Polarstern. Dieser steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Der Große Wagen enthält zwar keinen Stern
1. Größe, dafür aber immerhin drei, die beinahe 1. Größe erreichen. Es sind dies der kastenseitige Deichselstern Alioth, der hintere obere Kastenstern Dubhe sowie der äußere Deichselstern Benetnash. Der mittlere Deichselstern selber erreicht genau 2. Größe und ist der vierthellste Wagenstern; namensmäßig ist er der bekannteste Wagenstern und heißt Mizar.

Alioth am kastenseitigen Deichselende bedeutet "Fettschwanz", was die Bezeichnung einer bestimmten Ziegenrasse ist; der hintere obere Kastenstern Dubhe bedeutet "Bär", der äußere Deichselstern Benetnash "Klageweiber"; der mittlere Deichselstern Mizar "Mantel".

Der Große Wagen hat noch zwei weitere Sterne 2. Größe, das sind die beiden unteren Kastensterne. Der hintere untere Kastenstern heißt Merak, der vordere untere Kastenstern heißt Phekda. Merak bedeutet "Lende", Phekda bedeutet "Schenkel". Dubhe ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und Benetnash ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren; die übrigen Sterne des Großen Wagen sind ebenso wie der Augenprüfstern neben Mizar weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren. Der Polarstern ist ein weißgelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter".


Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

Der 7. Wagenstern erreicht 3. Größe, das ist der vordere obere Kastenstern; er heißt Megrez, was passenderweise "Anfügepunkt (des Schwanzes)" bedeutet.

Ebenfalls sehr bekannt ist der "Augenprüfstern" Alcor neben dem mittleren Deichselstern: altgriechische Kulturen glaubten, Alcor sei die fehlende 7. Plejade. Alcor wird manchmal mit "der Schwache" übersetzt, was aber sprachwissenschaftlich nicht nachvollziehbar ist. Wahrscheinlicher ist, dass Alcor eine Nebenform von Alioth ist, die sich aus "Aliore" gebildet hat und zunächst für den noch namenlosen mittleren Deichselstern Verwendung fand. Als sich für diesen dann aber der Name Mizar eingebürgert hat, wurde der Name Alcor für den Augenprüfstern verwendet. Im deutschsprachigen Raum wird dieser Stern als "Reiterlein" bezeichnet.

-> mehr über Sternfarben und Sterntypen

2.2 Arktur, Spica und weitere Frühlingssterne

Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man halbhoch im Osten zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Arktur ist der hellste Fixstern der Nordhalbkugel und derzeit der hellste Fixstern am Abendhimmel. Verlängert man die Wagendeichsel weiter, so gelangt man zum Hauptstern der Jungfrau das ist die Spica. Spica bedeutet "Kornähre", sie ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren. Sie steht derzeit links unter dem Ringplaneten Saturn. Der arabische Name der Spica lautet Azimech, das bedeutet "die beiden, die hoch sind" - gemeint sind Arktur und Spica.

Arktur selber ist ebenfalls Ausgangspunkt einer Deichsel; ihr mittlerer Stern Mirak, der nun links oberhalb von Arktur steht, ist der zweithellste Stern des Bärenhüters, und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese, im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Im Osten kann man in Verlängerung dieser größeren Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger sehen. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

Der dritthellste Stern des Bärenhüters ist Muphrid neben Arktur und steht ungefähr senkrecht zur Deichsel Arktur - Mirak - Gemma, das ist derzeit schräg oberhalb von Arktur. Muphrid heißt "der Einzelne" und ist wie unsere Sonne ein gelblicher Stern im Abstand von knapp 40 Lichtjahren. Sei noch vierthellste Bärenhüterstern Ceginus genannt: zu ihm gelangt man, wenn man von der Deichsel des Großen Wagen ausgehend den Bärenhüter erreicht. Ceginus ist ein Stern 3. Größe, sein Name ist die lateinisierte Form des Sternbildnamens Bärenhüter, der im griechischen Theguius heißt. Ceginus ist ein weißlicher Stern im Abstand von 85 Lichtjahren.

Wenn man von der Deichsel des Großen Wagen senkrecht zur Krümmung geht, so gelangt man zu einem Stern beinahe 2. Größe, das ist der Hauptstern Cor Caroli des unscheinbaren Sternbildes der Jagdhunde. Cor Caroli ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

So lassen sich die Sterne, ausgehend vom Bärenhüter über eine drachenförmige Figur zur Schlange und zum Schlangenträger hin, finden. Die animierte Grafik öffnet sich beim Klick auf das Bild!

2.3 Schlange, Schlangenträger und Skorpion

Bei guter Sicht kann man den mittleren Stern der großen Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel, also Mirak, an der Linie Arktur - Gemma spiegeln und gelangt so zu Unuk, einem Stern beinahe 2. Größe, dem Hauptstern der Schlange. Diese Spiegelung allerdings ist etwas länglich und diese Deichsel und Unuk bilden eine geometrische Figur, die wie ein Drachen aussieht, der aber nichts mit dem gleichnamigen Sternbild zu tun hat. - Unuk ist ein Roter Riese im Abstand von fast 75 Lichtjahren und bedeutet "Hals der Schlange". Durch Unuk zieht sich eine Sternenkette fast senkrecht nach unten zum Horizont, die wie auf einem Lineal angeordnet am Himmel steht; diese Sterne gehören zu den Sternbildern der Schlange und des Schlangenträgers.

Die drei ersten Sterne dieses "Himmelslineals" gehören zum Sternbild der Schlange, die nächsten drei zum Sternbild des Schlangenträgers, ehe das Himmelslineal ein wenig nach oben abknickt zum Stern Sabik, der ebenfalls zum Schlangenträger gehört und der oberhalb des Sternbildes des Skorpions steht. Sabik ist ein Stern 2. Größe, ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren; Sabik bedeutet "der Vorangehende".

In diesem "Himmelslineal" gibt es neben Unuk und Sabik noch zwei weitere hellere Sterne. Beide stehen im Schlangenträger und erreichen beinahe 2. Größe: Zeta Ophiuchi ist der der unterste und hellste Stern in dieser Kette, also dort, wo das Himmelslineal zu Sabik abknickt; er ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der andere, Yed Prior - das bedeutet "erstere Hand", ist ein Roter Riese im Abstand von 170 Lichtjahren. Er ist von oben gezählt der vierte Stern im Himmelslineal; bei ihm findet der Übergang von der Schlange zum Schlangenträger statt.

Bei guter Südsicht kann man rechts unterhalb vom Ende dieses "Himmelslineals" einen rötlichen Stern erster Größe bewundern, das ist Antares, ein Roter Riese im Abstand von über 500 Lichtjahren. Wegen seiner schon von bloßem Auge sichtbaren rötlichen Farbe heißt er Antares, das kommt von "Ant-Ares" und bedeutet "dem Ares (das ist der Mars) entgegengesetzt".

Rechts oberhalb von Antares kann man auch die vordere Dreiergruppe des Skorpions sehen, deren beiden oberen Sterne, Akrab und Dschubba, zweite Größe erreichen. Akrab bedeutet "Skorpion", Dschubba bedeutet "Stirn"; beide sind blauweißliche Riesensterne; Akrab ist über 500 Lichtjahre und Dschubba ungefähr 400 Lichtjahre entfernt. Aufgrund eines Helligkeitsausbruches ist derzeit die Dschubba heller als Akrab. - Der untere Stern der vorderen Dreiergruppe, pi Scorpii, ist ein blauweißlicher Riesenstern beinahe 2. Größe im Abstand von gut 450 Lichtjahren.

Jungfrau und Bärenhüter

2.4 Die übrigen Sterne der Jungfrau und der Rabe

Wie vorher gesehen gelangt man zur Spica, indem man die Deichsel des Großen Wagen über Arktur hinaus weiterverlängert. Die übrigen Sterne der Jungfrau sind nicht so hell; die Jungfrau hat nur noch vier weitere Sterne 3. Größe. Am einfachsten kann man sich die Jungfrau als eine Deichsel vorstellen, die sich über ihrem Hauptstern Spica befindet. Zudem befindet sich ein weiterer Stern etwas östlich der Spica. Die drei Sterne dieser Deichsel über der Spica sind von oben gezählt Vindemiatrix, Minelauva und Porrima. Zur Zeit steht der Ringplanet Saturn in der Nähe der Porrima. Vindemiatrix ist die lateinische Übersetzung des arabischen Namens Almuredin,was "der dem Weinleser Vorangehende" bedeutet. Dieser Stern ist ein gelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und wenn dieser Stern im Herbst in der frühen Morgendämmerung wieder sichtbar wurde, fing man mit der Weinernte an. Minelauva heißt "Der Anpreiser" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren, also doppelt so weit entfernt wie Vindemiatrix, etwas näher als der Hauptstern Spica. Porrima ist der Eigenname einer italienischen Geburtsgöttin; hier umkreisen zwei gelbliche Sterne einander; Porrima ist 40 Lichtjahre von uns entfernt.

Wenn man von der Spica zu Vindemiatrix hinaufgeht und auf halber Strecke nach rechts abbiegt, so gelangt man zum mittleren Stern der Jungfrau-Deichsel, zur Minelauva; biegt man statt dessen nach links ab, so gelangt man zur Heze. Diese ist ein weißlicher Stern im Abstand 73 Lichtjahren.

Rechts unterhalb der Jungfrau befindet sich das Sternbild des Raben, das man bei guter Südsicht schön erkennen kann. Es sieht aus wie ein kleines schiefes Viereck, bei dem die rechte obere Kante nach unten eingeknickt ist. Die obere Kante wird links von Algorab ("rechter Flügel des Raben") und rechts von Gienah ("Flügel") gebildet, die untere Kante links von einem Stern namens Kraz und rechts von Minkar ("Schnabel"). Gienah und Kraz sind Sterne beinahe 2. Größe, Algorab und Minkar haben 3. Größe.

Algorab und Gienah sind blauweißliche Sterne im Abstand von 120 und knapp 200 Lichtjahren, Kraz ist ein gelblicher Stern im Abstand von fast 150 Lichtjahren und Minkar ein ebenso weit entfernter Roter Riese.

Der Hauptstern des Raben indes ist nur ein Stern 4. Größe und steht rechts unterhalb von Minkar. Er heißt Alchiba und ist ein 50 Lichtjahre entfernter weißgelblicher Stern. Alchiba bedeutet "das Zelt".

2.5 Das Sommerdreieck: Wega, Deneb und Atair

Das Sternbild der Leier
Im Osten ist inzwischen das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler besteht aufgegangen. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler". Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3'000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man zu Ras Alhague im Schlangenträger, den Stern, auf den die Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel zeigt.

Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer blauweißlichen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens "Sadir"; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren; etwas nach hinten abgewinkelt findet man noch je einen weiteren Stern, die die Flügelschwingen markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt Gienah und ist der dritthellste Stern des Schwanes. Er ist wie Arktur ein Roter Riese, aber mit gut 70 Lichtjahren rund doppelt so weit wie Arktur von
Der Adler
uns entfernt. Der erste Stern des linken Flügels ist delta Cygni; er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Das Ende der Flügelschwinge des rechten Flügels, also jenseits von Gienah, wird von zeta Cygni markiert, einem wie unsere Sonne gelben Stern im Abstand von 200 Lichtjahren. Er erreicht 3. Größe. Die linke Flügelschwinge des Schwanes wird von zwei gleichhellen Sternen beinahe 3. Größe markiert; der innere ist tau Cygni, der äußere iota Cygni. Tau Cygni ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 70 Lichtjahren, iota Cygni ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

Der "fliegende Adler" Atair wird von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der obere und hellere heißt Tarazed, ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der untere auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke".

2.6 Das Sternbild des Löwen

Im Südwesten sieht man zwei helle Sterne des Sternbildes Löwe; der untere ist Regulus beim Herz des Löwen, ein blauweißlicher Stern erster Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten sowie vom Mond bekommt. Der obere heißt Algieba und markiert die Stirn des Löwen; die Algieba besteht aus zwei einander umkreisenden Sternen, einem Roten Riesen sowie einem gelben Stern, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind.

Links der Algieba sieht man etwa doppelt so weit entfernt wie Regulus einen weiteren Stern 2. Größe, das ist Denebola, was "Schwänzchen (des Löwen)"bedeutet. Im Gegensatz zur Großen Bärin und zum Kleinen Bären, die beide von Zeus am Schwanz gepackt und an den Himmel geschleudert wurden und deswegen überlange Schwänze haben, scheint der Löwe nur ein kurzes Schwänzchen zu haben. Denebola ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 35 Lichtjahren.

Zwischen der "Achse" Algieba-Regulus von der Stirn zum Herzen des Löwen sowie Denebola am Schwänzchen des Löwen gibt es noch eine weitere etwas kleinere "Achse" zwischen dem Rücken und der Hüfte des Löwen: der obere Stern heißt Duhr, der untere Coxa. Beide sind weißliche Sterne, Duhr im Abstand von 60 Lichtjahren und Coxa rund dreimal weiter entfernt im Abstand von 170 Lichtjahren. Duhr bedeutet "Rücken", Coxa bedeutet "Hüfte".

In der Nähe der Algieba finden wir 3 Sterne, welche den Kopf des Löwen markieren: Etwas oberhalb zunächst Adhafera, die Haarsträhne des Löwen, dann westlich Ras Elased Borealis und südlich von ihm Ras Elased Australis, die beiden Sterne "nördlich und südlich des Kopfes des Löwen". Ras Elased Australis ist ein Stern 3. Größe, wie unsere Sonne gelblich und 250 Lichtjahre von uns entfernt; über ihm Ras Elased Borealis ist ein Roter Riese im Abstand von gut 130 Lichtjahren. Adhafera schließlich ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren.

Sei noch der Stern eta Leonis zwischen Algieba und Regulus, ein wenig vor der Verbindungslinie, erwähnt; er wird manchmal fälschlicherweise als Subra bezeichnet. Den richtigen Stern Subra findet man, wenn man von eta Leonis kommend bei Regulus rechtwinklig nach Westen abbiegt und dann etwa doppelt so weit geht; dieser Stern ist gleich hell wie eta Leonis und heißt Subra. Subra bedeutet "Mähne" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 120 Lichtjahren. Eta Leonis ist ebenfalls ein weißlicher Stern, er ist aber mit 2000 Lichtjahren viel weiter entfernt.

2.7 Der Weg vom Kleinen Wagen durch den Drachen zur hellen Wega

Die helle Wega in der Leier wird noch tief am Horizont stehend manchmal mit dem hellsten Stern des Sternbildes des Drachen, mit Ettanin, einem Stern 2. Größe, verwechselt, doch recht schnell steigt die Wega höher und entfaltet dann bald wie Arktur ihre volle Pracht. Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; Ettanin kann man daran erkennen, dass schräg rechts über ihm ein weiterer nur wenig schwächerer Stern steht: das ist Alwaid, ein wie unsere Sonne gelber Stern im Abstand von 400 Lichtjahren.

Am einfachsten gelangt man zu diesen beiden Botensternen der Wega, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen, die zwischen dem Polarstern und der Deichsel des Großen Wagen stehen, ausgeht: In nur dreifacher Verlängerung vom helleren zum schwächeren hinteren Kastenstern des Kleinen Wagen gelangt man zu einem Stern beinahe 2. Größe namens eta Draconis, dem zweithellsten Stern des Drachens. Eta Draconis ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. Biegt man in Bewegungsrichtung im Uhrzeigersinn, d.h. zur Zeit nach links unten, ab, so kann man bei guten Sichtbedingungen in halbem Abstand einen weiteren Stern des Sternbildes Drachen erkennen, das ist Aldhibah, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 300 Lichtjahren.

Ettanin und Alwaid findet man, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen durch das Tor, das von eta Draconis und Aldhibah aufgespannt wird, hindurch und nochmals gleichweit weiter geht. Geht man diesen Weg weiter, so gelangt man etwa nochmals gleichviel weiter zur hellen Wega in der Leier.

Sei noch Pherkad, der schwächere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen, genannt: er ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Pherkad bedeutet "das dunklere der beiden Kälber".

Das Sternbild des Herkules

2.8 Sterne auf dem Weg der Frühlingsdeichsel von Arktur ausgehend über Gemma und Ras Alhague

In der Einführung der wichtigsten Sterne wird die große Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel beschrieben, die auf den Stern Ras Alhague weist. Auf dem Weg dahin kommt man ungefähr in der Mitte am hellsten Herkulesstern Rutikulus vorbei. Gehen wir nun in Richtung Wega, so sieht man ein fast gleichseitiges Dreieck, dessen Spitze in Rutikulus liegt und dessen Kantenlänge rund ein Drittel des Abstandes zur Wega beträgt. Der linke Stern des gleichseitigen Dreiecks heißt Sarin, der rechte ist der zweithellste Herkulesstern zeta Herculi.

Rutikulus ist ein Stern beinahe zweiter Größe, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Zeta Herculi ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 30 Lichtjahren und Sarin ein weißlicher Stern 3. Größe im Abstand von fast 100 Lichtjahren; die Bedeutung dieses Namens ist nicht mehr bekannt.

Verlängert man die Frühlingsdeichsel über Ras Alhague hinaus, so gelangt man zu einem weiteren Stern beinahe zweiter Größe im Schlangenträger namens Cebalrai, das bedeutet "Schäferhund". Cebalrai ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 100 Lichtjahren.

2.9 Die Sprünge der Gazelle und weitere Körpersterne der Großen Bärin

Unterhalb der Wagensterne kann man ungefähr doppelt so weit entfernt, wie der Große Wagen hoch ist, drei paarweise beieinander stehende Sterne dritter und beinahe dritter Größe erkennen. Der Mythologie nach handelt es sich dabei um die Fußspuren einer vor dem Löwen fliehenden Gazelle. Tatsächlich befindet sich der Kopf des Sternbildes des Löwen ganz in der Nähe des ersten Sternpaares. Diese beiden heißen Alula Borealis und Alula Australis, das bedeutet "1. Sprung der Gazelle", nördlicher Stern und südlicher Stern. - Das zweite Sternpaar besteht aus Tania Borealis und Tania Australis, das bedeutet "2. Sprung der Gazelle", nördlicher Stern und südlicher Stern. Und das dritte Sternpaar schließlich besteht aus Talitha Borealis und Talitha Australis, das bedeutet "3. Sprung der Gazelle", nördlicher Stern und südlicher Stern.

Die beiden hellsten dieser sechs Sterne haben 3. Größe: Tania Australis vom zweiten Sprung der Gazelle ist ein Roter Riese im Abstand von 250 Lichtjahren und Talitha Borealis vom dritten Sprung der Gazelle ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren.

Drei weitere Gazellensprung-Sterne erreichen ebenfalls gerade noch 3. Größe, das sind Tania Borealis vom zweiten Gazellensprung, Alula Borealis vom ersten Gazellensprung sowie Talitha Australis vom dritten Gazellensprung. Ersterer ist ein weißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren, zweiterer ein Roter Riese im Abstand von 420 Lichtjahren und dritterer ein weißlicher Stern ebenfalls im Abstand von 420 Lichtjahren.

Verbleibt noch Alula Australis vom ersten Gazellensprung; hier umkreisen zwei gelbe Sterne einander. Alula Australis ist knapp 30 Lichtjahre von uns entfernt. Das ist eine ganz analoge Situation wie beim Jungfraustern Porrima. Alula Australis erreicht beinahe 3. Größe. Figürlich kann man unterhalb des Wagens sehr schön die Hinter- und die Vordertatze der Großen Bärin sehen, die aus je drei Sternen bestehen und deren Krallen vom mittleren und vom dritten Gazellensprung dargestellt werden.

Psi Ursae Maioris ist der hellste Bärenstern, der nicht im Wagen steht, und man findet ihn in doppelter Verlängerung der beiden vorderen Kastensterne aus Sicht des Wagenkastens nach unten. Dieser Stern steht figürlich an der Ferse des Hinterbeines der Großen Bärin und bildet zusammen mit dem mittleren Gazellensprung, den beiden Tania-Sternen, die zwei Krallen markieren, ihre Hintertatze. Psi Ursae Maioris ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren. Psi Ursae Maioris ist der siebthellste und Tania Australis der achthellste Stern der Großen Bärin.

Al Haud findet man, indem man von der Deichsel herkommend diagonal durch den Wagenkasten hindurchgeht und dann noch eineinhalb mal weitergeht. Dieser Stern, der manchmal auch als Sarir bezeichnet wird, befindet sich figürlich an der Ferse des Vorderbeines der Großen Bärin und bildet zusammen mit dem dritten Gazellensprung, den beiden Talitha-Sternen, die ebenfalls zwei Krallen markieren, ihre Vordertatze. Al Haud bedeutet "Becken", was ein etwas befremdlicher Name für einen Stern ist, der figürlich an einem Vorderfuß steht. Er ist ein weißgelblicher Stern 3. Größe im Abstand von 44 Lichtjahren. Talitha Borealis ist der neunthellste Stern der Großen Bärin, Al Haud ihr zehnthellster Stern.

Muscida befindet sich am Kopf der Großen Bärin, man findet ihn in knapp dreifacher Verlängerung der beiden oberen Kastensterne nach hinten, also weg von der Deichsel. Muscida bedeutet "Hundeschnauze" und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern 3. Größe im Abstand von 184 Lichtjahren. Von bloßem Auge ist Muscida gleich hell wie der schwächste Wagenstern Megrez.

3. Das Sternbild des Monats: Die Waage

Das Sternbild der Waage befindet sich im Tierkreis und ist somit eines der Horoskop-Sternbilder. Es befindet sich zwischen der Jungfrau und dem Skorpion, senkrecht rechts der Mitte des Himmelslineals und ist trotz zweier Sterne beinahe 2.Größe eher unauffällig. Diese beiden Sterne gehören neben Akrab und Dschubba im Skorpion zu den vier hellsten Sternen im Areal zwischen Antares und der Spica; dazu kommt ein Stern dritter Größe. Die übrigen Sterne kann man nur bei sehr guter Südsicht erkennen. Meistens sieht man nur drei Sterne, die man als Aufhängepunkt und als die beiden Waagebalken interpretieren kann. Fast alle Sterne dieses Sternbildes haben Körperbezeichnungen der beiden Klauen des Skorpions.

Der hellste Waagestern ist der obere Stern Zuben-el-schemali, er ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 120 Lichtjahren. Von bloßem Auge gleich hell steht rechts unter ihm, in Richtung der Jungfrau eingerückt, der mittlere Stern Zuben-el-genubi; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 77 Lichtjahren. Zuben-el-schemali bedeutet "die nördliche Klaue (des Skorpions)", Zuben-el-genubi bedeutet "die südliche Klaue (des Skorpions)". Er steht ungefähr in der Mitte zwischen der Spica und Antares.

Der untere Waagestern ist Brachium, er ist ein Roter Riese 3. Größe im Abstand von 300 Lichtjahren. Brachium bedeutet "Arm". Dieser Stern gehörte bis zur endgültigen Festlegung der Sternbildgrenzen im Jahre 1930 durch die Internationale Astronomische Union zum Sternbild des Skorpion und hatte die Bezeichnung gamma Scorpii.

Mythologische Darstellung des Sternbilds der Waage nach Aspin.
Die übrigen Sterne des Sternbildes der Waage kann man nur bei sehr guter Südsicht erkennen. Drei Sterne verfehlen die 3. Größe nur knapp; man findet sie, indem man sich die Waage als Haus vorstellt, bei dem die drei hellsten Waagesterne Zuben-el-schemali, Zuben-el-genubi und Brachium das Hausdach bilden. Dann befinden sich diese drei Sterne am Boden der beiden Hauskanten: upsilon Libri und tau Libri nebeneinander am Boden der rechten Hauskante und theta Libri am Boden der linken Hauskante. Upsilon Libri, der innere der beiden Sterne am Boden der rechten Hauskante, ist ein Roter Riese im Abstand von rund 150 Lichtjahren und tau Libri, der äußere, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 400 Lichtjahren. Theta Libri am Boden der linken Hauskante ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren.

Upsilon und tau Libri stehen zwischen Brachium und pi Scorpii, dem unteren Stern der vorderen Dreiergruppe des Skorpion, näher an pi Scorpii und etwas nach unten eingerückt. Theta Libri steht zwischen der nördlichen Skorpionklaue Zuben-el-schemali und Akrab im Skorpion, etwas näher an Akrab.

Sei noch ein Stern 4. Größe zwischen theta Libri und der nördlichen Skorpionklaue Zuben-el-schemali genannt: er heißt Zuben-el-Akrab und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Zuben-el-Akrab bedeutet "die Klaue des Skorpions". Geht man also von Akrab am oberen Ende der vorderen Skorpion-Dreiergruppe zur nördlichen Skorpionklaue Zuben-el-schemali, so gelangt man nach rund einem Drittel der Strecke zunächst zu theta Libri und dann zu Zuben-el-Akrab. Historisch bildeten die nördliche Skorpionklaue Zuben-el-schemali und Zuben-el-Akrab, vermutlich auch theta Libri, die nördliche Schere des Skorpions und die südliche Skorpionklaue Zuben-el-genubi, upsilon und tau Libri sowie Brachium die südliche Schere des Skorpions.

Dieses Sternbild hat zwei Ursprünge: Schon die Sumerer sahen in diesen Sternen eine Waage, vielleicht auch deswegen, weil die Sonne vor 4'000 dort zur Zeit der Tagundnachtgleiche stand. Die Babylonier und Griechen indes rechneten diese Sterne, wie man auch ihrem Namen ansehen kann, dem benachbarten Skorpion zu. Der Legende gemäß befand sich der Mond gerade in der Waage, als Rom gegründet wurde und die Waagesterne bilden auch eine eigene Mondstation.

4 Die Mondstationen am Abendhimmel

4.1 Allgemeines

Bekanntlich sind die 12 Tierkreiszeichen des heutigen Horoskopes diejenigen Sternbilder, denen die Sonne im Verlaufe des Jahres ihren Besuch abstattet, allerdings wird das Sternbild des Schlangenträgers dabei nicht mitgezählt, da der Zahl 12 eine besondere Bedeutung zukommt. Zu Zeiten der Araber indes hat man die Sterne nicht nach großflächigen Sternbildern eingeteilt, sondern nach hellen Einzelsternen und nach nahe beieinander stehenden Sterngruppen. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass aufgrund der sehr viel klareren Luft damals auch Sterne 3. Größe helle Sterne waren und Sterne 4. Größe problemlos gesehen werden konnten.

Die Araber haben nun 28 solcher hellen Sterne und Sterngruppen ausgewählt, durch die im Verlaufe des Jahres der Neumond zieht, das sind die Mondstationen. Da die Mondbahn nur geringfügig gegen die Sonnenbahn geneigt ist, liegen diese Mondstationen alle in der Nähe der Tierkreiszeichen. Dank ihrer Prominenz sind die ursprünglichen Namen dieser Sterngruppen bis heute überliefert, indes sind nur einige ihrer Namen in die Astronomie eingegangen, obgleich diese Mondstationen immerhin sechs Sterne 1. Größe enthalten.

Das Sternbild des Löwen enthält drei Mondstationen.

4.2 Die drei hellen Mondstationen im Sternbild Löwe

Im Löwen kann man drei auffällige Mondstationen bewundern:

Al-gabba hat der Algieba ihren Namen verliehen und besteht aus der Linie Adhafera - Algieba - eta Leonis und Regulus; in der indischen Tradition wird nur Regulus verwendet und heißt dort "der Große".

Az-zubra besteht aus den beiden Sternen Duhr und Zosma der mittleren Löwenachse; der Name dieser Mondstation ist dann auf den Löwenstern Subra im rechtwinkligen Dreieck eta Leonis, Regulus und Subra übergegangen. In der indischen Tradition wird diese Mondstation mit "der frühere Rötliche" übersetzt.

Die Mondstation As-sarfa schließlich besteht aus der Denebola beim Schwänzchen des Löwen, dies bedeutet der "Wechsel (des Wetters)". In der indischen Tradition wird diese Mondstation mit "der spätere Rötliche" übersetzt.

4.3 Drei Mondstationen im Sternbild Jungfrau

Die erste Mondstation in der Jungfrau heißt al-auwa und hat dem Stern Minelauva in der Jungfrau seinen Namen gegeben. Al-auwa besteht aus dem Jungfraubogen, von dem bereits Vindemiatrix, Minelauva und Porrima im Text vorgestellt wurden. Wenn man nun von Porrima rechtwinklig in Richtung Regulus im Löwen geht, so gelangt man in gleichem Abstand wie Vindemiatrix zu einem gleichhellen Stern wie Porrima namens Alaraph. Dieser ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 35 Lichtjahren. Sein Name war ursprünglich zusammen mit der arabischen Bezeichnung Almuredin für Vindemiatrix verwendet worden, doch dann wurde der lange arabische Name in die beiden noch heute bestehenden Teile aufgespalten und der zweite Teil Alaraph wurde diesem Stern zugeordnet. Dazwischen etwas nach unten eingerückt steht ein fast gleichheller Stern namens Zaniah. Er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 250 Lichtjahren. Zaniah bedeutet "Ecke (des bellenden Hundes)". In der indischen Tradition wurden anstelle des Jungfraubogens die fünf Sterne des Raben als Mondstation verwendet und heißt "Hand".

Al-auwa bedeutet "in dem Winkel des Käf"; Käf ist ein arabischer Buchstabe, dem die Sterne dieser Mondstation ähneln. Eine andere Lesart übersetzt diesen Namen "mit bellenden Hunden", so dass diese 5 Sterne fünf Hunde darstellen, die dem Löwen hinterherbellen.

Die zweite Mondstation in der Jungfrau heißt as-simak und wird von der hellen Spica gebildet. As-simak bedeutet bedeutet "die beiden, die hoch sind"; gemeint sind damit Arktur und Spica in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen; diese Bezeichnung ist später auf Azimech, den arabischen Namen der Spica, übergegangen. In der indischen Tradition heißt sie "die Helle".

Die dritte Mondstation der Jungfrau heißt al-gafr und wird von den drei unauffälligen Sternen iota, kappa und lamda Virginis gebildet, die 4. Größe erreichen und nur bei sehr guter Südsicht gesehen werden können. Al-gafr heißt "die Bedeckung". Sie befindet sich zwischen der Spica und den drei hellsten Waagesternen und ist wie eine Deichsel geformt. Der oberste Stern dieser Mondstation heißt Syrma und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 70 Lichtjahren. Syrma bedeutet "Kleiderschleppe". Zur Syrma gelangt man auch, wenn man vom mittleren Stern Minelauva der Jungfrau-Deichsel ausgehend über die Heze gleichweit weitergeht. Schräg unter der Syrma steht kappa Virginis, ein Roter Riese im Abstand von gut 200 Lichtjahren und der unterste Stern dieser Mondstation ist Khambalia, ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 200 Lichtjahren. Khambalia bedeutet "Hakenklaue". - In der indischen Tradition wird hier der helle Stern Arktur als Mondstation verwendet und heißt "Schwert der Unabhängigkeit".

4.4 Die Mondstation der Waage

Die Mondstation in der Waage heißt az-zubana; aus diesem Namen ist der Sternname Acubens entstanden. Acubens bedeutet "Schere / Zange des Skorpions"; dieser Name wird heute aber nur noch für alpha Cancri im Krebs verwendet. Diese Mondstation besteht aus den beiden hellsten Waagesternen Zuben-el-schemali und Zuben-el-genubi, der nördlichen und der südlichen Klaue des Skorpions. Wenngleich das Sternbild der Waage eher unauffällig ist, so gehören diese beiden Sterne zusammen mit Akrab und der Dschubba, den beiden oberen Sternen der vorderen Dreiergruppe des Skorpions, welche die nächste Mondstation bildet, zu den vier hellsten Sternen der Region zwischen Antares und der Spica.

In der indischen Tradition wurden noch zwei weitere unauffällige Waagesterne 4. und gerade noch 4. Größe zu dieser Mondstation gezählt, nämlich der Stern Zuben-el-Akrab, zu dem man auf dem Weg des hellsten Waagesternes Zuben-el-schemali an der nördlichen Skorpionklaue zu theta Libri und weiter zum Skorpionstern Akrab am oberen Ende der vorderen Skorpion-Dreiergruppe gelangt, sowie der Stern iota Libri; letzter bildet mit den drei anderen Sternen dieser Mondstation beinahe ein Rechteck. Iota Libri ist ein weißlicher Stern in unbekanntem Abstand. Der Name dieser indischen Mondstation lautet "wie eine Gabel geformt".

4.5 Die beiden ersten Mondstation des Skorpions

Die erste Mondstation des Skorpions heißt al-ikil und wird durch die vordere Dreiergruppe des Skorpion, die aus Akrab, Dschubba und pi Scorpii besteht, gebildet. Al-ikil bedeutet "die Krone auf der Stirn des Skorpion". In der indischen Tradition heißen diese Sterne "Apostel des göttlichen Funkens".

Die zweite Mondstation des Skorpions heißt al-qalb, das bedeutet "Herz des Skorpions". Sie wird vom Hauptstern des Skorpion, von Antares gebildet. In der indischen Tradition werden neben Antares auch seine beiden Nachbarsterne sigma und tau Scorpii verwendet, sie haben den Namen Alniyat, das bedeutet "Schutz des Herzen (des Skorpion)" - das Herz wird ja von Antares dargestellt. Beide "Schutzsterne" sind blauweißliche Riesensterne; der linke im Abstand von 430 Lichtjahren, der rechte knapp doppelt so weit im Abstand von rund 700 Lichtjahren. In der indischen Tradition heißt diese Mondstation "der Älteste".

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Einführung in die Mondstationen

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