Sternenhimmel im September 2010


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Der Sternenhimmel kommt nun fast zum Stillstand, da sich die Sonnenuntergänge wieder merklich verfrühen. Nach Sonnenuntergang ist er nach wie vor sommerlich und wird von den beiden hellen Sternen Arktur und die Wega beherrscht, die nun jedoch in die Westhälfte weitergezogen sind. Hoch im Osten kann man bereits das Herbstviereck, die Andromeda und tief im Nordosten die helle Capella sehen, welche den bevorstehenden Herbst ankündigen.

Der Große Wagen steht nun ganz figürlich unter dem Polarstern, während sich die W-förmige Cassiopeia immer weiter dem Zenit nähert.

Nach Sonnenuntergang kann man halbhoch im Westen die helle
Venus als Abendstern bewundern, während im Osten der Riesenplanet Jupiter wieder sichtbar wird.


Ausschnitt des Sternenhimmels im September nach Eindunklen gegen Süden. Der Ausschnitt geht über den Zenit (oranges Kreuz)
hinaus und umfasst über die Hälfte des an diesem Zeitpunkt sichtbaren Sternenhimmels.


2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen


Kleiner und Großer Wagen
Der bekannte Große Wagen steht nun wie ein Wagen unter dem Polarstern. Indem man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach rechts oben verlängert, gelangt man zum Polarstern. Dieser steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Geht man vom Großen Wagen am Polarstern vorbei gleichviel weiter, so gelangt man im Nordosten zur Cassiopeia; sie sieht nun aus wie ein großes W und ihr Hauptstern Schedir ist der zweite Stern von rechts oben.

Der Große Wagen enthält zwar keinen Stern
1. Größe, dafür aber immerhin drei, die beinahe 1. Größe erreichen. Es sind dies der kastenseitige Deichselstern Alioth, der hintere obere Kastenstern Dubhe sowie der äußere Deichselstern Benetnash. Ebenfalls sehr bekannt ist der "Augenprüfstern" neben dem mittleren Deichselstern, von dem altgriechische Kulturen glaubten, er sei die fehlende 7. Plejade. Der mittlere Deichselstern selber erreicht genau 2. Größe und ist der vierthellste Wagenstern; namensmäßig ist er der bekannteste Wagenstern und heißt Mizar, der neben ihm stehende Augenprüfstern heißt Alkor. Dies wird manchmal mit "der Schwache" übersetzt, was aber sprachwissenschaftlich nicht nachvollziehbar ist. Wahrscheinlicher ist, dass Alkor eine Nebenform von Alioth ist, die sich aus "Aliore" gebildet hat und zunächst für den noch namenlosen mittleren Deichselstern Verwendung fand. Als sich für diesen dann aber der Name Mizar eingebürgert hat, wurde der Name Alkor für den neben ihm stehenden Augenprüfstern verwendet. Im deutschsprachigen Raum wird dieser Stern als "Reiterlein" bezeichnet; früher nannte man ihn auch "Fuchsstern"; das erinnert an den "Hundsstern", mit dem der hellste Fixstern Sirius bezeichnet wird. - Für den Namen Dubhe gibt es eine hübsche Merkregel aus den Vereinigten Staaten, weil man diesen Stern auf englisch "Dubih" ausspricht: Frank Sinatra tanzt mit der Großen Bärin um den Polarstern und singt "Dubi Dubi Dubi".

Alioth am kastenseitigen Deichselende bedeutet "Fettschwanz", was die Bezeichnung einer bestimmten Ziegenrasse ist; der hintere obere Kastenstern Dubhe bedeutet "Bär", der äußere Deichselstern Benetnash bedeutet "Klageweiber" und der mittlere Deichselstern Mizar bedeutet "Mantel".

Alioth und Mizar sind ebenso wie der Augenprüfstern Alkor weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren; Dubhe ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und Benetnash ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Der Polarstern ist ein weißgelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter". - Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab. Der schwächere hintere Kastenstern des Kleinen Wagens heißt Pherkad, das bedeutet "das dunklere der beiden Kälber"; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren.

Der Hauptstern der Cassiopeia, Schedir, bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren.

-> mehr über Sternfarben und Sterntypen
-> mehr zum Großen Wagen
-> mehr zum Kleinen Wagen

2.2 Im Westen: Arktur, die Nördliche Krone, Ras Alhague

Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Arktur ist der hellste Fixstern der Nordhalbkugel.

Arktur selber ist ebenfalls Ausgangspunkt einer Deichsel; ihr mittlerer Stern Mirak, der nun über Arktur steht, ist der zweithellste Bootes-Stern, und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Diese größere Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma weist auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

Die drei übrigen Wagensterne sind gerade noch 2. Größe (Merak und Phekda) sowie 3. Größe (Megrez). Merak ist der untere hintere Kastenstern, sein Name bedeutet "Lende". Der untere vordere Kastenstern heißt Phekda, das bedeutet "Schenkel" und der vordere obere Kastenstern heißt Megrez, das heißt "Anfügepunkt (des Schwanzes)".

Merak, Phekda und Megrez sind weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren.

Sommerdreieck (orange) mit Achsen-Spiegelung (hellblau) zu Ras Alhague im Schlangenträger

2.3 Das Sommerdreieck: Wega, Deneb und Atair

Hoch über uns sieht man das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan und aus Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler", Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe, der nun über uns im Zenit steht, ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man ebenfalls zu Ras Alhague im Schlangenträger. Spiegelt man im Sommerdreieck die helle Wega an der Achse Deneb - Atair, so gelangt man zu Enif, dem hellsten Stern des Pegasus. Dieser ist ein Roter Riese im Abstand von 700 Lichtjahren und heißt "Nase (des Pegasus)".

Die helle Wega kann man einfach über den Kleinen Wagen und einige Sterne des Drachen finden. Dabei verwendet man die "kleine Polarsternregel", d.h. man geht einfach von Kochab zu Pherkad, also vom helleren zum schwächeren hinteren Kastenstern des Kleinen Wagen, dreimal nach oben und gelangt zum zweithellsten Stern des Drachens, zu eta Draconis. Dieser ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. - Biegt man in Bewegungsrichtung im Uhrzeigersinn, d.h. zur Zeit nach rechts oben, ab, so kann man bei guten Sichtbedingungen in halbem Abstand einen weiteren Stern des Sternbildes Drachen erkennen, das ist Aldhibah, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 300 Lichtjahren. Nun geht man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen durch das Tor, das von eta Draconis und Aldhibah aufgespannt wird, hindurch gleichweit weiter, dann gelangt man zu den beiden "Botensternen" der hellen Wega, zu Ettanin und Alwaid, die den Kopf des Drachen bilden: Ettanin ist der hellste Drachenstern, er ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer" und Alwaid ist wie unsere Sonne ein gelblicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. Der Stern Alwaid hat auch den Namen Rastaban, das bedeutet "Kopf der Schlange".
Das Sternbild der Leier
Geht man diesen Weg weiter, so gelangt man etwa nochmals gleichviel weiter zur hellen Wega. Diese ist der Hauptstern des Sternbildes der Leier, deren übrigen Sterne im wesentlichen den Leierkasten bilden und wie ein Parallelogramm neben der Wega aussehen. Die beiden von der Wega weiter entfernten Sterne dieses Parallelogrammes haben 3. Größe; es sind Sheliak auf derselben Seite wie die Wega, ein weißlicher Stern im Abstand von fast 900 Lichtjahren sowie Sulaphat, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 600 Lichtjahren. Sheliak heißt "Leier" und Sulaphat heißt "Schildkröte".

Geht man von der Wega-nahen kurzen Seite des Leierkastens senkrecht nach oben, also weg vom Leierkasten, so erreicht man den Stern epsilon Lyrae. Dieser bildet mit der Wega und dem Wega-nächsten Leierkasten-Stern zeta Lyrae ein beinahe gleichseitiges Dreieck und wer wirklich gute Augen hat, kann versuchen, die beiden epsilon Lyrae-Sterne von bloßem Auge zu erkennen. Dies ist aber schwieriger als das Erkennen von Alkor neben dem mittleren Deichselstern des Großen Wagen.

Der Wega-nähere Stern epsilon(2) Lyrae ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren, der andere, epsilon(1) Lyrae, ein weißlicher Stern im gleichen Abstand. Zeta Lyrae ist ein weißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren.

->
mehr zur Leier
Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer blauweißlichen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens "Sadir"; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren; etwas nach hinten abgewinkelt findet man noch je einen weiteren Stern, die die Flügelschwingen markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt übrigens Gienah, ist der dritthellste Stern des Schwanes und ist wie Arktur ein Roter Riese, er ist gut 70 Lichtjahre, also rund doppelt so weit wie Arktur von uns entfernt. - Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

-> mehr zum Schwan

2.4 Andromeda und die ersten Herbststerne

Im Herbst kann man von der Cassiopeia ausgehend die wichtigsten Sterne der Andromedakette sowie Mirfak im Perseus und die helle Capella sehr einfach finden:

Zählt man die Sterne der Cassiopeia von links oben nach rechts unten durch, also von den helleren zu den weniger hellen, so führt die Verlängerung vom dritten, also dem mittleren, zum zweiten Stern der Cassiopeia ungefähr zur Sirrah, die der hellste Stern in dieser Region ist. Sirrah bedeutet "Nabel (der Andromeda)" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Dann kann man die ersten drei Sterne der Cassiopeia als Pfeilspitze deuten; diese Pfeilspitze zeigt auf den mittleren Andromedastern Mirach, die gleich hell wie die Sirrah ist. Mirach bedeutet "Schurz" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Kurz bevor man von der Cassiopeia herkommend die Mirach erreicht, kommt man auch am berühmten Andromedanebel vorbei; das ist eine Galaxie wie unsere Milchstraße im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren. Bei guter Sicht außerhalb der Stadt ist der Andromedanebel sogar schon von bloßem Auge sichtbar.

Die Sirrah und die Mirach sind gleich hell wie der Polarstern und Kochab, der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen.

Den 3. Andromedastern, Alamak - das heißt "Wüstenluchs" - findet man, indem man vom ersten über den zweiten Stern der Cassiopeia verlängert; auch er ist ein Stern zweiter Größe, geringfügig weniger hell als Sirrah und Mirach; er ist ein Roter Riese im Abstand von 350 Lichtjahren. Etwas unterhalb zwischen Sirrah und Mirach steht etwas näher an der Sirrah ein Stern 3. Größe namens delta Andromedae; er ist ein Roter Riese im Abstand von 100 Lichtjahren. Die Andromeda ist also das Sternbild unterhalb der Cassiopeia.

Wenn man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W eine Linie durch den vierten Stern des W zieht und diese verlängert, so findet man Mirfak, den Hauptstern des Perseus, den man auch als Verlängerung der Andromedakette nach links finden kann. - Schließlich führt die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch zur hellen Capella im Fuhrmann. Sie ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein gelb-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, er ist etwas heller als Sirrah und Mirach. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella.

Wer schon etwas Erfahrungen mit dem Sternhimmel hat, kann einmal versuchen, das kleine Tierkreiszeichen des Widders zu finden:

Von der Cassiopeia aus geht man zwischen den beiden Andromedasternen Mirach und Alamak hindurch noch einmal gleichweit weiter; dort kann man also unterhalb der Andromedakette zwei weitere Sterne sehen; diese bilden den Widder und der linke Stern, ein Stern 2. Größe, heißt Hamal, das bedeutet "Widder". Hamal ist ein Roter Riese im Abstand von 75 Lichtjahren. Auch Hamal ist so hell wie die Sirrah und Mirach. Der rechte Stern erreciht beinahe 2. Größe und heißt Sheratan; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 60 Lichtjahren. Sheratan bedeutet "die zwei Zeichen", was sich auf Widder und Fische beziehen soll.

->
Mehr zur Cassiopeia

2.5 Das Herbstviereck und der Weg in den Wassermann

Rechts von der Sirrah sieht man halbhoch im Osten die übrigen Sterne des Herbstviereckes, das ansonsten aus Sternen des Pegasus besteht und nun wie eine übergroße Vorfahrtstafel am Himmel steht, an dessen oberen Ecke, also rechts oberhalb der Sirrah, der Stern Scheat steht. Das Sternbild des Pegasus wird in diesem Monat näher vorgestellt.

Der Stern in der gegenüberliegenden Ecke der Sirrah im Herbstviereck heißt Markab; hier zweigt eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasusstern Enif ab. Wenn man in dieser Sternenkette im vorletzten "Kettenglied" statt zu Enif zur anderen Seite abbiegt, so gelangt man zum zweithellsten Wassermannstern Sadalmelik. Sadalmelik heißt "Glücksstern des Königs" und ist ein gelber Stern im Abstand von über 750 Lichtjahren.

2.6 Vom Adler zum Steinbock

Sternbilder des Adlers und des Steinbocks
Nach Sonnenuntergang findet man unterhalb des Adlers das eher unscheinbare Tierkreiszeichen des Steinbockes, das einige Sterne dritter Größe enthält.

Der "fliegende Adler" Atair wird von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der obere und hellere heißt Tarazed, ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der untere auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke".

Verlängert man nach Sonnenuntergang die Sterne Atair und seine beiden begleitenden Falken nach unten, so gelangt man zunächst zum vierthellsten Adlerstern theta Aquilae, einem blauweißlichen Riesenstern im Abstand von fast 300 Lichtjahren. Dieser Stern markiert den Oberarm des vom Adler getragenen Jüngling Antinous und hatte bei den Mandarin den Namen Tseen Foo, das bedeutet "himmliches Floß". Etwa in doppeltem Abstand folgen zwei Sterne übereinander, die schon zum Sternbild des Steinbockes gehören: Der obere ist Algiedi, das bedeutet "Ziege"; er ist ein gelber Stern im Abstand von 120 Lichtjahren, der untere heißt Dabih, ursprünglich Sadaldabih, und ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren. Sadaldabih bedeutet "Glücksgestirn des Schlachtenden". - Rechtwinklig der beiden gelangt man von Algiedi nach links gehend zum Stern Albali, der schon im Wassermann steht. Albali heißt "der, der schluckt" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 200 Lichtjahren. - Wer gute Augen hat, kann westlich von Algiedi einen weiteren Stern sehen; diese beiden sehen zwar wie ein Doppelstern aus, doch ist der Partnerstern, ebenfalls ein gelber Stern wie unsere Sonne, über zehnmal weiter entfernt.

Wenn man diese Linie vom Adler zu Algiedi und Sadaldabih nochmals gleichweit weiter nach unten verlängert, so kann man bei sehr guter Südsicht nochmals zwei Sterne allerdings nur 4. Größe in diesem Abstand voneinander sehen; der obere ist psi Capricorni und der untere omega Capricorni. Psi Capricorni ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 35 Lichtjahren und omega Capricorni ein Roter Riese im Abstand von knapp 250 Lichtjahren.

Bei guter Sicht kann man diese Linie von Atair und seinen beiden Falken ausgehend über theta Aquilae, Algiedi und Sadaldabih bis zu psi und omega Capricorni sehr einfach finden; die ersten 4 Sterne gehören zum Sternbild des Adlers, die nächsten vier Sterne gehören zum Sternbild des Steinbockes. Am unteren Ende des Steinbockes kann man wieder rechtwinklig nach rechts oben abknicken und gelangt nach derselben Distanz zu zwei benachbarten Sternen; der linke und hellere heißt Deneb Algedi, das bedeutet "Schwanz des Geißbocks" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 40 Lichtjahren; er ist der hellste Stern des Sternbildes und 1846 wurde in seiner Nähe der Planet Neptun entdeckt. Der rechte heißt Nashira und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren. Nashira bedeutet "die, welche gute Nachricht bringt" und hat dieselbe Helligkeit wie Algiedi.

2.7 Der Schütze

Das Sternbild des Schützen ist das am tiefsten gelegene Sternbild des Tierkreises und seine nördlichen Teile sind von Mitteleuropa aus nach Sonnenuntergang nur bei guter Südsicht sichtbar. Deswegen wird diese Sternbild meistens nicht weiter beachtet und oftmals wird es auch bei guter Sicht nur gelingen, die drei nördlichsten Sterne des Schützen zu erkennen: das sind Nunki, der immerhin so hell wie der Polarstern ist, dann etwas links oberhalb, in Richtung des Adlersternes Atair, der Stern Albaldah, der die zweite Größe nur knapp verfehlt, sowie von Nunki aus fast rechtwinklig rechts oberhalb, etwas weiter entfernt der Stern Kaus Borealis, der die zweite Größe ebenfalls nur knapp verfehlt.

Nunki ist der zweithellste Stern des Schützen und man findet ihn, indem man senkrecht von Atair und seinen beiden Falken nach unten abbiegt. Man kann ihn auch finden, wenn man den oben beschriebenen Weg vom Adler in den Steinbock beschreitet und bei den beiden ersten Steinbocksternen Algiedi und Sadaldabih senkrecht nach rechts unten etwa gleichweit abbiegt. Nunki bedeutet "göttlicher Ort der Erde" und ist ebenfalls ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 220 Lichtjahren. Albalda links oberhalb in Richtung Atair bedeutet "Axt" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 450 Lichtjahren. Kaus Borealis schließlich heißt "nördlicher Stern des Bogens" und ist ein Roter Riese im Abstand von 80 Lichtjahren.

Der Schütze ist ein unübersichtliches Sternbild, welches man sich am einfachsten als zwei Bögen vorstellen kann, die schräg untereinander stehen. Beide Bögen haben in dieser Vorstellung einen Pfeil. Der hellste Stern des Sternbildes, Kaus Australis, steht am unteren Ende des zweiten Bogen und erreicht beinahe 1. Größe. Aufgrund seiner südlichen Lage ist er aber nur bei sehr guter Südsicht erkennbar. Kaus Australis bedeutet "südlicher Stern des Bogens" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren.

Der zweithellste Schützenstern Nunki befindet sich in dieser Vorstellung in der Mitte des oberen Bogens und Albalda in Richtung Atair am oberen Ende des oberen Bogens. Unterhalb von Nunki finden wir bei guter Südsicht am unteren Ende des oberen Bogens den Stern Askella, das bedeutet "Achsel". Er ist ein weißlicher Stern knapp 2. Größe im Abstand von 90 Lichtjahren. - Rechts neben Nunki, dem mittleren Bogenstern des oberen Bogens, sieht man etwas unterhalb den Stern phi Sagittarii an der Pfeilspitze; er ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 230 Lichtjahren.

Bei sehr guter Südsicht kann man auch noch Kaus Meridionalis in der Mitte des unteren Bogens erkennen; er ist ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von 300 Lichtjahren, sowie den Stern An-Nasl neben ihm; dieser heißt auch passenderweise "Pfeilspitze" und ist ein Roter Riese im Abstand von 100 Lichtjahren.

Der Schütze ist aus astronomischer Sicht sehr bedeutsam, da sich das Zentrum unserer Milchstraße in diesem Sternbild befindet. Dieses ist knapp 30'000 Lichtjahre von uns entfernt und gewaltige Staubmassen verdecken die Sicht dorthin mit optischen Mitteln, so dass die von dort kommenden riesigen Energiemengen die Erde in einem Wellenlängenbereich erreichen, in welchem sie uns nicht schaden.

3. Sternbild des Monats: Der Pegasus

Das Sternbild des Pegasus ist aufgrund der Figürlichkeit des Herbstviereckes sehr einfach auffindbar. Zudem kann der Andromedastern Sirrah, der hellste Stern des Herbstviereckes, welches ansonsten aus Pegasussternen besteht, sehr einfach aus der Cassiopeia in der Verlängerung des mittleren Cassiopeiasterns über Schedir, den Hauptstern der Cassiopeia, gefunden werden und auch der hellste Pegasussterns Enif kann sehr einfach aus dem Sommerdreieck gefunden werden, indem man die helle Wega an der Achse Deneb - Atair spiegelt.

Der Pegasus besteht im Wesentlichen aus dem Herbstviereck, das nun wie eine übergroße Vorfahrtstafel am Himmel steht, und von dem nach links die Andromedakette und nach rechts eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasus-Stern Enif abzweigt.

An der oberen Ecke des Herbstviereckes befindet sich ein kleines, fast gleichseitiges typisches Dreieck, dessen untere rechte Ecke aus zwei Sternen besteht. Scheat, der oberste Stern im Herbstviereck, steht in diesem kleinen Dreieck an der linken unteren Ecke. Scheat heißt "Bein (des Pferdes Pegasus)" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Der Stern an der oberen Ecke dieses Dreiecks heißt Matar, er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 200 Lichtjahren; Matar bedeutet "Schulter". Auch der linke Stern an der rechten unteren Ecke dieses kleinen Dreiecks hat einen Namen: er heißt Sadalbari, das bedeutet "Glücksstern des Vortrefflichen"; er ist ein Roter Riese im Abstand von über 100 Lichtjahren. Sein Nachbarstern ist lamda Pegasi; er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand 400 Lichtjahren. Dieses kleine typische Dreieck an der oberen Spitze des Pegasus bei Scheat kann man leicht am Himmel wiederfinden und sich somit gut orientieren.

Bildliche Darstellung des Pegasus. Nach Jehoshaphat Aspin, 1850
Markab, der Stern in der gegenüberliegenden Ecke der Sirrah im Herbstviereck, ist ein blauweißlicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 150 Lichtjahren und bedeutet "Schulter (des Pferdes Pegasus)". Hier zweigt eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasusstern Enif ab, einem Roten Riesen im Abstand von 700 Lichtjahren; Enif heißt "Nase (des Pegasus)". Unterhalb von Markab sieht man zuerst den Stern Homam und weiter unterhalb, etwas rechts der Stern Baham. Homam bedeutet "Mann von hohem Geist" und ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 200 Lichtjahren und im vorletzten "Kettenglied" steht der Stern Baham; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren und bedeutet "der Viehbestand". Von hier gelangt man, wenn man statt zu Enif zur anderen Seite abbiegt, zum zweithellsten Wassermannstern Sadalmelik.

An der unteren Ecke des Herbstviereckes finden wir den Stern Algenib, er ist wie Markab ein blauweißlicher Riesenstern, aber über dreimal weiter entfernt im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Algenib bedeutet "Flanke, Seite". Man beachte, dass manchmal auch Mirfak, der Hauptstern des Sternbildes Perseus, mit diesem Namen Algenib bezeichnet wird.

In der Nähe vom hellsten Pegasusstern Enif steht auch der bekannte Kugelsternhaufen M15, er kann bereits im Feldstecher gesehen werden und wird in der 4. Rubrik näher beschrieben.

In der griechischen Mythologie ist der Pegasus ein geflügeltes Pferd, das dem Hals der Gorgone Medusa entsprang, nachdem der Held Perseus ihr das Haupt abschlug. Dabei entfloh das Flügelross und wurde später von Bellerophon eingefangen, der mit ihm zahlreiche Abenteuer erlebte. Dabei wurde Bellerophon übermütig und wollte sich zu den Göttern aufschwingen, wodurch es sich den Zorn des Zeus zuzog. Zeus sandte eine Bremse aus, die den Pegasus stach. Das Ross scheute und warf Bellerophon ab, der auf der Erde landete. Pegasus aber flog weiter zum Olymp und trägt seither die Blitze des Zeus.

4. Feldstecherobjekt: Der Andromedanebel und die Kugelsternhaufen M15 und M13

4.1 Der Andromedanebel

So findet man den Andromedanebel
Der Andromedanebel ist sehr einfach zu finden: Etwas oberhalb von Mirach befindet sich mü Andromedae, ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren. Noch etwas weiter oberhalb kann man im Feldstecher - bei guten Sichtbedingungen auch von bloßem Auge - die Sterne nü Andromedae links sowie 32 Andromedae rechts oberhalb erkennen. Wenn man nun diese beiden Sterne anschaut, so sieht man etwas oberhalb ein längliches auf der Seite liegendes Nebelchen; das ist der Andromedanebel. Nü Andromedae ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 700 Lichtjahren und 32 Andromedae ist ein gelber Stern im Abstand von gut 300 Lichtjahren. Der Andromedanebel ist wie unsere Milchstraße eine große Galaxie im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren.

4.2 Kugelsternsternhaufen M15 im Pegasus

M15. Bild Hubble Teleskop
Im Sternbild des Pegasus kann man sehr einfach einen Kugelsternhaufen namens M15 sehen: Zwischen dem Hauptstern Markab an der rechten Ecke des Herbstviereckes und dem hellsten Pegasusstern Enif, den man durch Spiegelung der Wega an der Achse Deneb - Atair findet, befinden sich zwei weitere Pegasussterne 3. Größe, nämlich unterhalb von Markab der Stern Homam und weiter unterhalb, etwas rechts der Stern Baham. Geht man nun von Baham zu Enif und darüber rund die Hälfte hinaus, so kann man im Feldstecher den Kugelsternhaufen M15 erkennen; dieser ist 35'000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält rund 500'000 Sterne.

Siehe Abbildung
Pegasus oben.

4.3 Kugelsternsternhaufen M13 im Herkules

Der Herkules ist ein weiträumiges Sternbild zwischen der Wega und der nördlichen Krone, das nur drei Sterne heller als 3. Größe aufweist und somit insgesamt eher unscheinbar ist. Dieses Sternbild beherbergt einen der bekanntesten, bei nicht lichtverschmutzten Bedingungen sogar von bloßem Auge sichtbaren und einfach auffindbaren Kugelsternhaufen namens M13.

In der Einführung der wichtigsten Sterne wird die große Arktur-Gemma-Deichsel beschrieben, die auf den Stern Ras Alhague weist. Auf dem Weg dahin kommt man ungefähr in der Mitte am hellsten Herkulesstern Rutikulus vorbei. Kurz bevor man Ras Alhague erreicht kommt man auch noch am Hauptstern des Herkules vorbei, einem Stern dritter Größe namens Ras Algethi; Ras Algehti steht also neben dem helleren Ras Alhague. Gehen wir nun in Richtung Wega, so finden wir den Stern Sarin. Er bildet mit Rutikulus und Ras Algethi bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck, das wie ein Pfeil auf die Wega weist.

Rutikulus ist ein Stern beinahe zweiter Größe, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Ras Algethi bedeutet "Kopf des Knienden" und ist ein Stern dritter Größe; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren. Auch Sarin ist ein Stern 3.Größe, er ist weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren; die Bedeutung dieses Namens ist nicht mehr bekannt.

Spiegelt man nun Ras Algethi an der Achse Rutikulus - Sarin, so gelangt man zum zweithellsten Herkulesstern, zeta Herculi. Er steht am unteren Ende eines trapezartigen Vierecks. Diagonal gegenüber steht der Stern pi Herculi, der gleichhell wie Sarin ist. Sei noch der Stern eta Herculi genannt; zu ihm gelangt man, indem man von Rutikulus ausgehend an zeta Herculi vorbeigeht. Eta Herculi steht also in dem Trapez "neben" pi Herculi; er ist ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. In der vierten Ecke dieses Trapezes von eta Herculi befindet sich der Stern epsilon Herculi, ein weißlicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren.

Zeta Herculi ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 30 Lichtjahren, pi Herculi ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren und eta Herculi ebenfalls wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren.

Oft wird der Herkules als auf dem Kopf stehendes "K" beschrieben, das aus diesem trapezartigen Viereck und den beiden Sternen Rutikulus und Sarin besteht und das zwischen der Nördlichen Krone und der Wega steht.

Nun ist es nicht mehr schwer, in diesem trapezartigen Viereck den bekannten Kugelsternhaufen M13 zu finden: Geht man von Rutikulus an zeta Herculi vorbei zu eta Herculi, so sieht man in einem Feldstecher oder bei licht-unverschmutzer Sicht sogar von bloßem Auge zwischen zeta und eta Herculi, ein Drittel von eta und zwei Drittel von zeta entfernt, ein verwaschenes Fleckchen; das ist der bekannte Kugelsternhaufen M13, nach dem Andromedanebel das bekannteste Sternnebelchen. Während der Andromedanebel eine eigene Galaxie wie unsere Milchstraße ist, ist M13 ein Kugelsternhaufen, also eine kugelförmige Sternansammlung innerhalb unserer eigenen Milchstraße. Dieser Kugelsternhaufen ist 25'000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält etwa 300'000 Sterne.

->
mehr zu Herkules

-> Zum Verzeichnis

Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.


Startseite