Das charakteristischste Merkmal des Hinduismus ist die Verehrung der Kuh und der Dienst an ihr. Die Kuh zu beschützen, bedeutet für mich eine der bewundernswertesten Äußerungen des menschlichen Fortschritts, denn der Mensch entwickelt sich damit über sich selbst hinaus. Für mich ist die Kuh die Verkörperung der gesamten infrahumanen Welt; sie versetzt den Menschen in die Lage, seine Einheit mit allem Leben zu erkennen. Es ist in meinen Augen eine Wahrheit, die sich von selbst versteht, dass die Kuh die natürliche Wahl als Symbol dieser Einheit sein muss ... Die Kuh ist ein Gedicht der Nächstenliebe ... Sie zu beschützen, heißt alle stummen Geschöpfe Gottes zu beschützen.

MAHATMA GANDHI


Die Bedeutung des Kuhhorns

Die Behandlung der Nutztiere in der modernen Gesellschaft

von Franz und Judith Weber

Früher waren Kühe ein alltäglicher Anblick, eine vertraute Gegenwart. Sie gehörten zum Leben, man sah sie nicht nur auf der Weide, man traf sie tagtäglich auf der Landstrasse, von der Weide heimwandernd oder einen Graswagen ziehend.

In den Dörfern gab es überall noch Ställe, deren Türen tagsüber offenstanden. Man konnte dort abends nach fünf Uhr, im Türrahmen lehnend, dem Bauern beim Melken zusehen und dann einen Eimer schäumender, noch lauwarmer Milch heimtragen. Als Kind wusste man genau, wie eine Kuh aussah, ihr Erscheinungsbild war so selbstverständlich, so klar und fest im Gehirn verankert wie das Bild von Vater und Mutter. Und zeichnete man als Kind eine Kuh, so waren das Wichtigste an ihr die Hörner und das Euter.


Bauernhof im Jura
Nicht vielen von uns ist der Anblick von Kühen heute noch vertraut. Man hat sie wie vieles andere, das früher vertraut und heimatlich war, aus unserem Alltag, aus unserem Leben wegmanövriert. Unsere Kühe befinden sich jetzt weit weg in irgendwelchen Milch- oder Fleischproduktionsbetrieben, und wenn wir sie, selten genug, zu Gesicht bekommen, sind wir, die wir sie noch als integrale, behornte und ehrfurchtgebietende Tiere kannten, über ihren Anblick entsetzt. "Warum haben sie keine Hörner mehr?", fragen wir als Zeitgenossen, die sich noch an die Kühe ihrer Kindheit erinnern. Wir erkundigen uns bescheiden, fast zaghaft, wohl wissend, dass in rationellen Grossbetrieben niemand Zeit hat für die einfältigen Fragen weltfremder Ignoranten. "Damit sie einander nicht verletzen", lautet die schlagende Antwort, und wir lassen uns beruhigen, wir glauben es - wollen es glauben, wollen uns einreden, es sei bestimmt so in Ordnung, da es ja offenbar "im Interesse der Tiere" sei. Aber die Wahrheit ist, dass Kühe ihre Hörner brauchen, und dass sie sehr genau wissen, wie sie mit ihnen umzugehen haben, um Verletzungen bei sich und ihren Artgenossen zu vermeiden.

Warum die Kühe ihre Hörner brauchen, und wie fatal und kriminell der Unsinn ist, den wir an ihnen - und an unserer eigenen Gesundheit und Umwelt - mit der Enthornung begehen, erläutert der folgende Beitrag.

Die Kuh braucht ihre Hörner


Kuh mit Hörnern
Rinder sind Eigentum der Bauern. Ohne ihre Zustimmung konnten und können sie nicht enthornt werden. Landwirte, die mit ihrem Beruf Verantwortung für Land und Tiere übernommen haben, wenden sich ohne äusseren Zwang mit Sägen und Säuren gegen ihre Schutzbefohlenen, ihr lebendes Kapital. Warum also kommen Tierbesitzer nach vielen Jahrhunderten, richtiger gesagt nach Jahrtausenden erfolgreicher Haustierhaltung plötzlich auf die Idee, den ihnen anvertrauten Geschöpfen grosse, durchblutete Körperteile gewaltsam zu entfernen? Als Gründe werden Verletzungsgefahr von Tier und Mensch sowie der moderne Laufstall angeführt. Was muss sich wem anpassen?

Die Antwort kann nicht so einfach formuliert werden wie die Frage. Sie ist eingebettet in dramatische Veränderungen der Landwirtschaft innerhalb nur einer Generation.

Der Bauernstand nicht nur unserer engeren, auch unserer weiteren Heimat erlitt in den Jahrzehnten, die den Nachkriegsjahren folgten, einen dramatischen Niedergang. Dieser begleitete wie zum Hohn die Rationalisierungsfortschritte eines Standes, dessen kleine und mittelgrosse Höfe in der Regel mehrere Generationen einer Familie zu ernähren vermochten und der durch seinen Landbesitz und seine Tiere einst verhältnismäßig wohlhabend und als Volksernährer geachtet war. Durch die Rationalisierung der Neuzeit wurden die Bauern vielfach zu grossflächig arbeitenden Subventionsempfängern. Ihnen wirft die Gesellschaft vor, durch ihre Wirtschaftsweise Böden und Grundwasser zu belasten, Lebensmittel in einer Menge zu erzeugen, die nicht gebraucht wird, und dafür erhebliche Steuermittel in Anspruch zu nehmen - nicht nur beim Grünland.

Die Tatbestände der Vorwürfe bestehen zu Recht. Aber sie werden den Landwirten zu Unrecht vorgeworfen. Sie taten, was ihnen ihre Standesvertretungen, ihre Verbände, was Landwirtschaftsschulen, Landwirtschaftsämter, Genossenschaften, Kreditgeber und Zulieferer einstimmig rieten.


Neugierige Kuh im Bregenzer Wald
Die Enthornung der Rinder ist nach unseren an der Natur geübten Erfahrungen und nicht zuletzt nach der Stimme unseres an christlicher Ethik orientierten Gewissens ein nicht hinnehmbarer Eingriff in das Leben geschaffener Wesen. Aus diesem Verständnis ist es ebenso wenig hinnehmbar, wenn eine naturnahe Tiervermehrung stillschweigend durch künstliche Besamung und Embryo-Transfer ersetzt wird, wenn einseitig materielle Zuchtziele rücksichtslos Tiere in die Ausbeutung zwingen; wenn Pflanzenfresser in menschlicher Obhut Kadaverkonzentrate in ihr Futter gemischt bekommen, wenn lebende "Schlachttiere" für staatliche Prämien unter erbarmungswürdigen Bedingungen kreuz und quer durch Europa verschoben werden, wenn mit der anrollenden Genmanipulation dem Schöpfer bedenkenlos ins Handwerk gepfuscht wird. Die Folgen lassen nicht auf sich warten. BSE, offenbar ausgegangen von Hirnen der Menschen und dort wieder eintreffend, wird nur eine Spitze von vielen Eisbergen sein, die menschliche Kälte für Scheingewinne aus dem Strom des Lebens heraussonderte.

Zur BSE sei vermerkt, dass die Diskussion um eine mögliche Infektion schon seit einiger Zeit immer weniger laut geführt wird. Die Theorie, dass körpereigene Eiweisse, Prionen genannt, als Infektionserreger auftreten sollen, bereitet den Wissenschaftlern zusehends Schwierigkeiten. Es gibt Hinweise auf eine Autoimmunerkrankung (Prof. A. Ebringer, Londen). Auch die überall aufgestellten Sendemasten für den Handybetrieb sind in Verdacht geraten. Es kann sich also um mehrere Ursachen handeln. Eine der wesentlichsten ist sicher die Darmschädigung durch zu konzentriertes, einweissreiches Futter, was wie eine Vergiftung wirkt, besonders wenn das Eiweiss nicht aus dem Pflanzenreich stammt. Man verfütterte nicht nur Tiermehl aus allen Arten von Kadavern, sondern es wird auch Hühnermist oder reiner Harnstoff, Klärschlamm und vieles andere in das Futter gemischt, das ein Wiederkäuer von selbst niemals fressen würde.

Da die biologisch wirtschaftenden Bauern keine intensive Fütterung betreiben, Höchstleistungen nicht anstreben, Tiermehle nicht einsetzten, pharmazeutische Gifte weitestgehend vermeiden und Mineraldünger nicht anwenden, ist es unwahrscheinlich, dass in diesen Betrieben BSE auftritt.

Die Aura der Kuh


Kuh in Ramadri, Indien
Eine Kuh ist grösser als das, was wir mit den Augen sehen. Gelehrte Leute reden von einer Aura, das ist ein unsichtbarer Bereich um jede einzelne Kuh. Diese Bereiche sind unterschiedlich gross und abhängig von verschiedenen Faktoren. Nach Beobachtungen ist die Aura einer Kuh ungefähr zwei auf drei Meter gross. Kühe, die sich kennen und mögen, erlauben es den anderen, in diesen Bereich einzudringen, sie fressen ganz dicht zusammen, liegen nahe beieinander oder schlecken sich. Ranghöhere Tiere "erlauben" rangniedrigeren Tieren ebenfalls, diesen Raum zu betreten. Bei behornten Tieren wird dieser Raum durch unscheinbare Bewegungen der Hörner angezeigt. Die Herdenordnung kann somit ständig aufrechterhalten und kontrolliert werden. Herden mit behornten Tieren sind strukturiert, als Hirte kann ich diese Herden leiten und lenken.

Je mehr hornlose Tiere in einer Herde sind, desto schwieriger wird es, aus einer grösseren Anzahl von Kühen eine Herde zu gestalten. Es scheint so, als gäbe es dort mehr Unordnung.

Hörner als Organe

Hörner haben einen weiteren Sinn. Zum gesamten Organismus einer Kuh gehören verschiedene Teile. Die Hörner sind Teile einer Kuh, sie gehören zu ihr und bestimmen ihr Wesen. Werden ihr die Hörner weggenommen, fehlt ihr ein Teil ihres Wesens. Auch wenn der Sinn der Hörner in der Vergangenheit wissenschaftlich noch nicht genügend betrachtet und bearbeitet wurde, sollten uns doch folgende Beobachtungen und Fragen zum Nachdenken veranlassen:

Kühe sind Wiederkäuer, ihr hervorragender Wert und Sinn für uns Menschen ist ihre Fähigkeit, aus Rohfaser hochwertige Fett- und Eiweissformen in Form von Milch herzustellen. Artgerechte Tierhaltung beinhaltet wiederkäuergerechte Fütterung, weshalb Kraftfutter hier nichts verloren hat. Allzuoft wird geldbeutelgerecht gefüttert (viel Milch!), aber nicht wiederkäuergerecht. Kraftfutter lässt sich nicht wiederkäuen. Warum lassen wir den Tieren nicht die Möglichkeit, Gras und Heu zu fressen? Milchüberschüsse wären dann kein Thema, und die Preise würden stimmen.

Hörner als Leistungsmerkmal


Kuh im Appenzell
Was hat das aber nun mit den Hörnern zu tun? Es lässt sich beobachten, dass sich weltweit die Hörner und damit deren Hornzapfen bei Rindern vergrössern, je karger, das heisst rohfaserreicher das Futter ist. Die sogenannte Futterverwertbarkeit nimmt zu. Wir untergraben also die Fähigkeiten der Rinder, aus Gras oder Heu Milch zu machen, indem wir ihnen Eiweissfuttermittel geben, das wir im übrigen selbst als Nahrung verwenden könnten, und indem wir sie der Hörner berauben. Es ist eine ungeheuerliche Verschwendung, durch Enthornung, falsche Fütterung und falsche Zucht den Rindern diese Fähigkeit der Umwandlung zu nehmen. Würden wir den Wirkungsgrad der Futterumwandlungsfähigkeit einer normal behornten Kuh untersuchen, würden unsere hornlosen, hochgezüchteten Tiere sehr schlecht abschneiden.

Zur Zeit werden als Leistungskriterien nur Menge und Inhaltsstoffe der Milch wie Fett, Eiweiss und Zellzahl bewertet. Langlebigkeit und Gesundheit der Kuh spielen eine untergeordnete Rolle. Input-Output-Rechnungen bei Milchkühen in Bezug auf Futterverwertbarkeit könnten sehr interessant sein. Sie würden uns einen Hinweis darauf geben, wie wirtschaftlich unsere Kühe wirklich sind. Je grösser also die Fähigkeit einer Kuh ist, aus Rohfaser hochwertige Eiweisse und Fette herzustellen, desto höher ist dieses Leistungsmerkmal. Nun sind wir wieder bei den Hörnern angelangt. Steppenkühe auf kargen Böden entwickeln die grössten Hörner. Ein Beispiel in unserer Nähe sind die schottischen Hochlandrinder, die in einer äusserst kargen Landschaft weit ausladende Hörner entwickelt haben.

Die Integrität der Tiere

Kühe haben Augen, Ohren, Hörner, Nasen und Mäuler, Schwänze, Euter und vieles mehr. Alle diese Teile sind jedes für sich etwas besonderes und ergeben in ihrer Summe eine Kuh. Alle dieseTeile haben spezielle Aufgaben, über die wir mehr oder weniger gut Bescheid wissen. Die Evolution hat bestimmte Bereiche gefördert, andere wurden dagegen zurückgedrängt. Wir Menschen haben aus "wirtschaftlichen" Gründen damit begonnen, den Kühen ihre Hörner abzunehmen. So etwas nennt man verstümmeln. In Neuseeland werden den Milchkühen bereits die Schwänze kupiert. Wann schneiden wir unseren anvertrauten Haustieren die Ohren ab und blenden sie, damit sie nur noch funktionieren, ohne zu sehen und zu hören, wo und wie sie leben müssen?

Wir sind es unseren Mitgeschöpfen, den Kühen, schuldig, dass sie vollständig leben können, so wie auch wir für uns und unsere Mitmenschen in Anspruch nehmen, ein lebenswertes Leben führen zu dürfen. Es ist längst überfällig, dass wir uns Gedanken machen über die Grundwerte unserer Mitgeschöpfe.

Hörner als Quelle für Lebens- und Gestaltungskraft

Klauen und Hörner sind mitverantwortlich dafür, dass z.B. ein bestimmtes Kuhwesen zur Kuh "Prinka" wird. Die Kuh Prinka bewegt sich zwischen Himmel und Erde. Mit den Klauen hält sie die Verbindung zur Erde aufrecht, zu Kräften, die aus der Erde strömen. Mit den Hörnern ist sie auf der anderen Seite verbunden mit den Kräften des Himmels. Beide Kräfte gestalten nun die Stoffmasse einer Kuh, um in unserem Fall genau Prinka zu bauen. Eine Kuh ist mehr als nur die Ansammlung einiger Atome und Moleküle!

Der Bauplan von Prinka, aufgeschrieben in der DNS, wird mitgestaltet von verschiedenen Kräften, und diese Kräfte müssen fliessen können. Ist dies nicht mehr der Fall, zum Beispiel durch Enthornung, entstehen Fehlleitungen und Defekte, deren Auswirkungen heute noch unzureichend untersucht sind. Zweifellos wird man in Zukunft auf diesem Gebiet noch interessante Entdeckungen machen.

Einblick in geheimnisvolle Vorgänge


Geburt eines Kalbes: Der Bauer inmitten der friedlichen Kühe
In der Natur ist alles sinnvoll und begründet, denn sie ist weisheitsvolle Schöpfung, ist vollkommen und hat immer recht. Alles in der Natur ist wesentlich und bedeutungsvoll.

Die ihrer Rasse entsprechend harmonisch aufgehörnte Kuh verkörpert Schönheit und Ehrwürdigkeit der Schöpfung, des Geschöpfes. Sie trägt ihre Hörner wie eine Krone. Die Hörner gehören zu ihr. Sie gehören mit ihr zu ihrer Umwelt, zur Natur, zur Landschaft. Man spürt die Lebensbeziehungen, die Ökologie. Am schönen, harmonischen Gehörn erkennt man Wissen, Können und guten Willen des Züchters.

Die Hörner sind ein aufschlussreiches Zeichen für Lebens- und Vererbungskraft, für gute, starke Stoffwechsel-Prozesse im Organismus des Tieres. Sie sind nach aussen gewachsene Organe. Zum richtigen und modernen Verständnis allen Naturgeschehens ist es wichtig und notwendig, dass man nicht nur die Stoffe, die wiegbar und messbar sind, beachtet und anerkennt, man muss auch die Lebens- und Gestaltungskräfte, die man in ihrer Tätigkeit und Wirkung erkennen kann, beachten und verstehen.

Es kann kein Haus gebaut werden, wenn nur die Stoffe, d.h. das Baumaterial da ist. Geisteskräfte und physische Kräfte können aus den Stoffen, aus dem Material, das Haus bauen. Ohne diese Kräfte geht es nicht.

In der Form der Hörner deuten sich sammelnde, gestaltende, ins Innere des Tieres strahlende Kräfte an. Bei genauer und einfühlsamer Beobachtung ergibt sich, dass im Horn ein wichtiger, lebendiger Prozess stattfindet. Schon der Wechsel von warm und weniger warm bis kalt ist in mancherlei Hinsicht sehr aufschlussreich. Wenn die Kuh z.B. kräftig und behaglich wiederkäut, werden die Hörner spürbar immer wärmer.

Die Bedeutung des Horns im Verdauungsprozess


Behornte Kuh, Jura
Beim Wiederkäuen, besonders von gutem Halm- und Kräuterfutter, werden Bilde- und Gestaltungskräfte frei, die vom Maul zum Horn, genauer in den Hornknochen strömen. Man kann den Weg dieses Stromes anatomisch gut erkennen und nachvollziehen. Der Hornknochen, auch Hornzapfen genannt, hat kunstvoll geformte Höhlungen, die sich nach aussen zur Peripherie, zur Spitze hin, immer mehr verästeln und verfeinern. Zwischen dem Hornzapfen und dem eigentlichen Horn, der Hornhülle, befindet sich eine intensiv durchblutete (wärmende), stark mit Nerven durchsetzte Schicht. Man könnte sie mit dem Kambium (teilungsfähiges Pflanzengewebe) vergleichen, das sich zwischen dem Holz und der Rinde der Bäume und Sträucher befindet. Das Kambium der Bäume ist ja wie ein Licht-, bzw. Urstoff, von dem alles Wachsen und Sprossen ausgeht.

Im glatten, gekrümmten Horn der Kuh wirken starke Rückhaltekräfte. Wenn die Kuh nun wiederkäut, wenn sie den Panseninhalt aufstösst, kommen auch Gase mit hoch. Diese vermischen sich mit der Luft, die ausgeatmet wird und dringen in die Stirnhöhlen hinein bis in die Hornzapfen. Dadurch hat die Kuh nach aussen hin ein verhältnismässig dumpfes Bewusstsein. Das Gehirn ist wie umnebelt. Auch Kräfte, die vom Inneren der Kuh ausstrahlen, werden durch die Hörner aufgehalten und ins Innere wie von einem Spiegel zurückgestrahlt. Die Hörner nehmen dadurch wahr, was in der Verdauung geschieht. Die Gase und die Kräfte und alles was in den Hörnern wahrgenommen wird, strahlt in den Verdauungstrakt zurück.

Dadurch lenkt die Kuh ihr ganzes Bewusstsein zur Verdauung hin. Der Verdauungsapparat wirkt wie eine Art Gehirn, ein sehr lebendiges Gehirn. Alle Kräfte, die von den Hörnern ins Innere zurückgestrahlt werden - es beginnt schon im Pansen - geben der Kuh die Kraft, aus Kohlehydraten (Zellulose), mit Hilfe von Bakterien, Eiweiss zu bilden.

Die Welt braucht Kühe mit Hörnern


Behornte Kuh in Indien
Je rohfaserreicher das Futter ist, um so grössere Hörner haben die Kühe. Das Horn kann man daher als Sinnesorgan betrachten. So ist die Temperatur des Hornes unterschiedlich, je nachdem, ob die Kuh frisst oder wiederkäut, ob sie sich wohl oder weniger gut befindet. Auch die Haut ist ein nach aussen gerichtetes Sinnesorgan. Das Horn, welches ja ebenfalls aus Haut gebildet ist, erstreckt seine Empfindungen und Wahrnehmungen ins Innere hinein. Es entsteht also ein Wechsel zwischen Verdauung und Sinnestätigkeit.

Dieser Prozess ist ohne Zweifel von grösster Bedeutung für die Lebenskraft, Gesundheit und Widerstandskraft der Kuh und der Leistung, die sie erbringt. Man spricht auch von Ich-Bildekraft, z.B. die Ich-Bildekraft der Milch. Gute frische Milch hat Ich-Bildekraft, also nicht nur die sehr wertvollen Nährstoffe, sondern auch Lebens- und Gestaltungskräfte.


Groß behörnte Hochlandrinder
Wenn wir nun der Kuh die Hörner rauben, sie samt dem Hornzapfen entfernen, hat sie nur noch eine eingeschränkte Wahrnehmung ihrer Verdauung. Folglich sind ihre Produkte, Milch und Mist, die sie der Erde und dem Menschen schenkt, in ihrer Qualität beeinträchtigt. Folgen: Die Erde wird unfruchtbarer und der Mensch schliesslich krank.

Ein Kalb mit unverdorbenem Instinkt fängt mit zwei bis drei Wochen zu fressen an. Es sucht sich, wenn möglich, ausgereifte Grashalme und Kräuter und beginnt dann auch gleich mit der wichtigsten Tätigkeit seines Lebens, mit dem Wiederkäuen. Das ist auch der Zeitpunkt, wo die Hornbildung, das Hornwachstum, beginnt. Halmbildung in der Pflanzenwelt wird Hornbildung in der Tierwelt. Viel Halmfutter, ausgereiftes Gras bzw. gutes Heu, Weidegang, viel Licht und frische Luft und genügend Bewegung bilden einen gesunden, widerstandsfähigen Organismus und, wie zum sichtbaren Zeichen dafür, schöne, wohlgestaltete, kräftige Hörner. Das ist das Wirken der Natur, das Wirken vollkommener Weisheit. Gegen diese Weisheit der Natur zu handeln, ist Irrsinn.

Wir Konsumenten haben es in der Hand

Nicht erst seit der BSE-Krise sollten wir uns fragen, was wir eigentlich wollen. Wir alle sind Konsumenten. Wir alle müssen essen und trinken, und jeder von uns kann mit seinem Geldbeutel entscheiden, was er wo einkauft. Mit dieser Entscheidung beeinflusst jede und jeder von uns mit, ob Kühe auf die Weide können, ob sie Gras und Heu fressen können statt artwidriges "Kraftfutter", ob sie verstümmelt werden - oder eben nicht. Wir Konsumenten müssen etwas tun, wir müssen Haltung und Fütterung unserer Mitgeschöpfe hinterfragen; denn ein falscher, nur auf Profit ausgerichteter Umgang mit den uns anvertrauten Tieren rächt sich nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung früher oder später unweigerlich an uns selbst.

Informationsquelle: Kulturgemeinschaft zur Förderung und Pflege des Biologisch-Dynamischen Landbaus e.V., Untersteig 1, D-88167 Maierhöfen

Auf dem Hof unserer Kinder- und Jugendzeit hatten wir mit unseren damals 35 Kühen im traditionellen Anbindestall nie Verletzungen. Jede Kuh kannte und liebte ihren Platz und suchte diesen beim Heimkommen von der Weide ganz selbstverständlich und in aller Eile auf. Mit den Hörnern bestimmten die Kühe unter sich die Rangordnung. Gab es ausnahmsweise vor der Stalltür ein unordentliches Gedränge, so stellte ein kräftiger Zuruf von seiten der menschlichen Betreuer, denen die Kühe unbedingt vertrauten, die Ruhe fast schlagartig wieder her. Es war eigentümlich wohltuend und befriedigend zu erleben, wie nach dem Anbinden eine Kuh nach der anderen sich gemächlich an ihrem Platz ins frisch aufgeschüttete Stroh legte und mit dem Wiederkäuen begann. Die Stimmung von Frieden, Wärme und physischem Wohlbefinden, die in dem dämmerigen Stall von den Kühen ausging, war unbeschreiblich.

Unsere 35 Kühe von damals hatten vier Betreuer: Meister und Sohn, Melker und Küherbub, die sich um sie kümmerten und sich abwechselnd fast ständig um sie herum waren, mit ihnen sprachen auf ihre Weise, sie anfassten, striegelten und putzten, beim Melken unter ihnen sassen. Zwischen ihnen und jedem einzelnen Tier bestand ein Verhältnis totaler Vertrautheit und gegenseitigen guten Willens. Vielfalt und Qualität der Produkte unseres Stalls entsprachen diesem hohen Standard, der auch auf den Nachbarhöfen eine Selbstverständlichkeit war und seinen Niederschlag in guten Absatzpreisen fand.

Wahrlich ein weiter Wurf von heutigen "rationellen" Agrobetrieben, wo im Interesse maximaler Wirtschaftlichkeit mit einem Minimum an Personal die grösstmögliche Anzahl Tiere in einer lebensfeindlichen Umwelt als blosse Produktionsmaschinen bis zum letzten ausgebeutet werden.

Unaufhaltsam wächst unterdessen die Arbeitslosigkeit. Manch einer, manch eine würde gern mit der Natur, mit Tieren, um Tiere herum arbeiten. Doch Pflanzenbau und Tierwirtschaft bauen laufend Stellen ab, um unter dem Druck der Grossindustrie noch billiger, noch "rentabler" zu produzieren, während immer mehr Menschen, gerade auch Jugendliche, von der Allgemeinheit dafür bezahlt werden müssen, nichts zu tun.

Für den gesunden Menschenverstand ist dies ein Widersinn - so widersinnig und kriminell wie das Enthornen der Kühe.

Almabtrieb Reschen, Südtirol
"Kuhland" Appenzell
Verehrung der Kuh,
Almabtrieb Südtirol
Reschen, Südtirol


Verfasserin: Judith Weber. Quelle: www.ffw.ch. Das Copyright liegt bei den Autoren. Wir danken für deren Einverständnis zur Übernahme dieses Artikels.

Bilder: Wir danken Irene & Martin Hölbling, St. Valentin a.d. Heide Südtirol, und den Demeterbauern Claudia und Armin Capaul im Jura für die Bilder von ihren Höfen.

Literatur

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